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Wir sind Evolution: Leben und Vision der Barbara Marx Hubbard (dt./engl.)

(See English text below)

Mit großer Trauer haben wir gelesen, dass Barbara Marx Hubbard gestern im Alter von 89 Jahren verstorben ist. Sie war und ist eine der großen Pionierinnen in der Erforschung unseres menschlichen Potenzials und unserer bewussten Evolution. Vor einigen Jahren erschien in evolve dieser Artikel über Ihr Leben und Ihre Arbeit:

Wir sind Evolution

Leben und Vision der Barbara Marx Hubbard

Mike Kauschke

Im August 1945, als über Hiroshima und Nagasaki zum ersten Mal Atombomben abgeworfen wurden, war Barbara Marx Hubbard 15 Jahre alt. Diese historischen Ereignisse, die die Welt für alle Zeiten verändern sollten, hatten eine tiefe existenzielle Wirkung auf das junge Mädchen. Sie fragte sich: »Wie können unsere neuen Fähigkeiten auf heilsame Weise eingesetzt werden?« Bis heute ist ihr Leben eine Suche nach der Antwort auf diese Frage – und mehr noch, eine Suche danach, selbst Teil der Antwort zu sein. Ihr ganzes langes Leben lang versuchte sie, die gottähnlichen Kräfte der Atomenergie, der Weltraumfahrt, des Internets oder der Künstlichen Intelligenz mit der ebenso notwendigen Evolution unseres Bewusstseins zu verbinden. Ihre Arbeit konzentrierte sich mehr und mehr darauf, die kreativen Energien in jedem Menschen zu wecken, die sie als Ausdruck der Triebkraft der Evolution selbst betrachtet.

Als ich sie vor einigen Wochen über Skype anrief, traf ich eine Frau, die heute, mit 88 Jahren, noch voller Energie und Vision ist – wie sie es schon ihr ganzes Leben lang war. Barbara wurde 1929 in das Amerika der Großen Depression hineingeboren. Doch zunächst bekam sie diese schweren Zeiten nicht zu spüren, denn sie verlebte eine privilegierte Kindheit in New York als Tochter eines bekannten Spielzeugfabrikanten. Sie besuchte die prestigeträchtige Danton School und studierte Politikwissenschaft an der Sorbonne in Paris sowie am Bryn Mawr College in Pennsylvania. Der Hauptantrieb in ihrem Studium waren die existenziellen Fragen, die der frühe Tod ihrer Mutter sowie die politischen Gefahren des Kalten Krieges und der atomaren Aufrüstung hervorgerufen hatten. Doch in der Schule und an den Universitäten fand sie kaum befriedigende Antworten auf ihre Suche nach dem Sinn.

1949, während ihres Studiums in Paris, traf sie dann jemanden, den zumindest dieselben Fragen bewegten. In einem Café an der Seine wechselte Barbara ein paar Worte mit Earl Hubbard und wusste, dass sie diesen Mann heiraten würde. Er war Künstler und erfüllt von derselben Suche nach dem tieferen Potenzial unseres Menschseins. Einige Monate später schon waren sie verheiratet und zogen in eine Kleinstadt in Connecticut, wo ihr Mann in aller Abgeschiedenheit seiner künstlerischen Arbeit nachgehen konnte. Barbara wurde Hausfrau und Mutter von vier Kindern – aber sie wurde auch depressiv. Nachdem sie sich einige Jahre um ihren Mann und ihre geliebten Kinder gekümmert hatte, spürte sie einen tieferen Ruf, eine umfassendere Form der Mutterschaft, die auf sie wartete.

Barbara begann zu lesen. Bei den Büchern von Abraham Maslow, der davon ausging, dass wir alle ein Verlangen nach Selbst-Verwirklichung und Selbst-Transzendenz in uns tragen, spürte sie eine Resonanz mit ihrer eigenen inneren Sehnsucht. Aber besonders das Buch »Der Mensch im Kosmos« von Teilhard de Chardin erschloss ihr eine ganze neue Welt, die sie intuitiv schon gespürt hatte: »Darin beschreibt Teilhard die Richtung der Evolution hin zu einem höheren Bewusstsein, die irgendwann zu einem planetaren Erwachen der Liebe führt.« Dabei ist der innere Impuls zu wachsen, sich zu entwickeln, die tiefste Sehnsucht zu entfalten, für Teilhard nicht zu unterscheiden von dem tiefen Beweggrund der Evolution, der Liebe. Barbara fühlte sich zutiefst verstanden.

Für Teilhard besteht der nächste Schritt in der Evolution des Menschen in der Entwicklung zum universalen Menschen, zur universalen Menschheit. Diese Idee inspirierte Barbara, und als sie im Jahr 1962 sah, wie das Raumschiff »Friendship 7« in Richtung Weltraum abhob, spürte sie, dass die Menschheit dabei war, diesen Schritt zu tun: »Es geschieht nicht oft, dass man eine Spezies im Moment des Wandels, der Evolution beobachten kann … Dies wird die gesamte Menschheit verändern.« Für sie war diese technische Innovation ein Teil des Geburtsprozesses einer planetaren Spezies. Durch die Vermittlung eines Freundes, der Beziehungen zur NASA hatte, konnte sie den Luftwaffenoffizier John Whiteside kennenlernen, mit dem sie über ihre Ansichten zur Bedeutung der Weltraumforschung für die Menschheit sprach. Sie war überrascht, dass der Offizier sich in seiner tiefen Motivation für diese Arbeit verstanden fühlte. Bei diesem und weiteren Treffen empfand sie etwas, was sie bei ihrem Ehemann Earl nicht erfahren konnte. Bei ihren Gesprächen mit John fühlte sie sich wie eine Mitschöpferin. Gemeinsam entwickelten sie das Projekt »Harvest Moon«, das bei einer breiteren Öffentlichkeit das Interesse an der Weltraumforschung wecken sollte, sowie die SYNCON genannten Konferenzen, bei denen sie Führungskräfte aus der Wirtschaft, Politiker und andere einflussreiche Personen zusammenbrachten mit dem Ziel, »neue Welten auf der Erde und neue Welten im Weltraum« zu erforschen. Bei diesen SYNCON-Konferenzen, die in unterschiedlichen Teilen der USA abgehalten wurden, fand Barbara zu ihrer eigenen Stimme und wuchs weit über die Rolle der Hausfrau im Hintergrund hinaus. Sie fand ihren eigenen kreativen Ausdruck, was zum Ende ihrer Ehe mit Earl führte.

Barbara und John wurden ein Paar, ein ko-kreatives Paar, und zogen in ein Haus namens Greystone, das Barbaras Schwester gehörte und zu einem »Zentrum für bewusste Evolution« wurde, in das sie Menschen aus aller Welt einluden, um mit ihnen die Potenziale der Zukunft zu diskutieren. Sie entwickelten auch einen Event namens »Theater für die Zukunft«, wobei mittels Geschichten, Multimedia und Kunst ein mögliches planetares Erwachen spürbar werden sollte.

Im Jahr 1981 starb John, doch Barbara ging den Weg weiter, den sie beide begonnen hatten: mehr und mehr Menschen mit der Geschichte einer bewussten Evolution und einer planetaren Menschheit bekannt zu machen. Eine besondere Chance, dieses Ziel zu verfolgen, ergab sich 1983: Einflussreiche Freunde schlugen ihr vor, sich für die Demokratische Partei um das Amt der Vizepräsidentin zu bewerben. Zwar führte ihre Bewerbung nicht zum Erfolg, dennoch hatte sie die Gelegenheit, vor wichtigen Politikern zu sprechen und sie für ihre Ideen eines »Peace Room« und eines »Zukunftsministeriums« zu begeistern.

In den darauffolgenden Jahren, bis zum heutigen Tag, nutzte Barbara ihr immer weiter wachsendes Netzwerk, um das planetare Erwachen zu unterstützen, an dem sie ihr ganzes Leben lang in Dialogen mit führenden Denkern und Visionären geforscht hat und das sich ihr in immer tieferen spirituellen Erfahrungen erschloss. Ihre Wissbegier scheint ihr Alter außer Kraft zu setzen. Mit bald 90 Jahren ist sie so inspiriert und voller Pläne wie immer. Sie sagt: »Das kommt daher, dass ich eine sehr tiefe Mission habe. Ich glaube, die innere Motivation aller Menschen, etwas Neues zu schaffen, ist die innere Motivation der Evolution selbst, die sich in dir und mir auf jeweils einzigartige Weise inkarniert. Und wenn du diese Motivation 100-prozentig bejahst, wird sie so stark in dir, dass du nicht älter wirst, sondern neuer. Du wirst neuer, weil die Welt immer wieder neu ist.«

Ihr Weg von der Hausfrau zur selbstständigen, ko-kreativen Visionärin führte sie zum intensiven Nachdenken über die Rolle der Frauen bei einem planetaren Erwachen. Sie erkennt eine ganz neue Lebensphase bei Frauen, die sie die »Regenopause« nennt – Frauen nach dem 50. Lebensjahr können an der Geburt eines neuen Bewusstseins, eines neuen Menschen mitwirken. Ihre Weisheit, ihr Wissen um den Prozess der Geburt und die Sorge für ein Neugeborenes macht sie, gemeinsam mit den Männern, zu Mitschöpferinnen unserer evolutionären Zukunft.

Mit Konferenzen, Workshops und Online-Kursen verbreitet Barbara ihre Botschaft von der bewussten Evolution unermüdlich unter möglichst vielen Menschen. »Die neue Geschichte der Evolution ist unsere Geschichte, ist – aus der Sicht der Evolution – unser aller Geschichte. Als evolvierender Mensch bist du Teil dieser Geschichte. Du wirst von dieser Geschichte geschaffen, jede Zelle deines Körpers wurde von dieser Geschichte geschaffen. Diese Geschichte zielt auf höhere Bewusstheit und größere Freiheit. Von daher bist du eins mit dem Prozess.« Als Teil dieser Geschichte der Evolution kann jede und jeder von uns seinen oder ihren Sinn darin finden, Mitgestalter der Evolution zu werden.

Der Leitimpuls ihres ganzen langen Lebens war die Frage aus ihrer Jugend: »Wie können unsere neuen Fähigkeiten auf heilsame Weise eingesetzt werden?« In gewisser Weise bringt ihr Leben zum Ausdruck, dass die neuen technischen Energien, die die Menschheit entdeckt, mit der Entwicklung der neuen Energien eines evolutionären Bewusstseins integriert werden müssen, um gemeinsam eine Zukunft zu erschaffen, die auf Ganzheit, Verbundenheit und Ko-Kreativität beruht.

 

Here you can listen to an Audio recording of the interview with Barbara Marx Hubbard

 

We are Evolution

With deep sadness we have read that Barbara Marx Hubbard died yesterday in the age of 89 years. She was and is one of the great pioneers in the exploration of human potential and our conscious evolution. A few years ago evolve published this article about her life and work:

The Life and Vision of Barbara Marx Hubbard

Mike Kauschke

When in August 1945 atomic bombs where dropped for the first time in Nagasaki and Hiroshima, Barbara Marx Hubbard was 15 years old. These historic events, changing the world forever, had a deep existential impact on the young girl. She asked herself: “What is the meaning of all our new powers that is good”? Her life until today is a quest for an answer to this question – but even more, to be part of the answer herself. In her long life, she tried to connect the god-like powers of nuclear energy, space travel, the internet or artificial intelligence with the need for an evolution of our consciousness. Her work focused more and more on the awakening of the creative powers in each of us that she sees as an expression of the evolutionary drive itself.

When I called her over skype a few weeks ago, I met a woman that today with age 88 is as energetic and full of vision as she was her whole life. Barbara was born in 1929 into an America of the Great Depression. But first, she did not feel the hardship of these times, as she had a privileged childhood in New York as daughter of a well-known toy manufacturer. She went to school at the prestigious Danton School and studied Political Science at the Sorbonne Paris and the Bryn Mawr College. In her studies she was driven by existential questions that were sparked by the early death of her mother and the political dangers of the Cold War and atomic weaponry. But in the schools and universities she went to, she hardly met sufficient answers to her quest for meaning.

In 1949, while studying in Paris, she met at least someone who was asking the same questions. She exchanged a few words with Earl Hubbard in a Café at the Seine and Barbara knew that she would marry this man, an artist with the same existential longing for the deeper potentials of our humanity. Some months later they where married and moved to a small town in Connecticut, where her husband could work in seclusion as an artist. Barbara became a housewife and mother of four children – but she also became depressed. After some years of caring for a man and a family she loved, she felt that there was a deeper calling, a deeper form of motherhood that was calling her.

Barbara began to read. In writings of Abraham Maslow, who proposed that we all have a desire for self-actualization and self-transcendence, she felt resonance for her own inner longing. But particular the book “The Phenomena of Man” by Teilhard de Chardin opened a new world for her that she had sensed herself: “In it he identified the direction of evolution for higher consciousness, more freedom, more complex order that eventually leads to a it a planetary awakening of love.” And the inner impulse to grow, develop, to unfold one’s deepest longing was for Teilhard not separate from the love-drive of evolution itself. Barbara felt deeply understood and inspired.

Teilhard saw the next step in human evolution as becoming universal human, a universal humanity. This idea ignited Barbara’s heart and when she saw the space rocket Friendship 7 take off into space in 1962, she felt that humanity is about to take this step: “It is seldom that one can watch a species in the moment of change and evolution. … It will change the whole of humanity.” For her this technological innovation was part of the birth process of a planetary species. Through a friend with some connections to NASA she was able to meet the Air Force Officer John Whiteside to speak with him about her view on the significance of space exploration for humanity. Surprisingly, the officer felt deeply understood in his deeper impulse to work in this field. In this and following meetings she experienced something that she could not feel with her husband Earl. In her conversations with John, she felt like a co-creator with him. Together they developed the project “Harvest Moon” to inspire the interest in space exploration amongst the broader public and the convergence meetings called SYNCONS to gather business people, politicians and other influential people to explore “new worlds on earth and new worlds in space”. The SYNCON meetings that where held in different parts of the US, Barbara found her own voice and grew far beyond being the house wife in the background.  This finding of her creative expression led to the end of her marriage with Earl.

Barbara and John became a couple, a co-creative couple, and moved into a mansion of her sister, called Greystone, which became a “center for conscious evolution”, where they invited people from all over the world to discuss the potentials of the future. They also developed an event they called “Theater for the Future” to inspire a planetary awakening through story, multimedia and art.

In … John died, and Barbara continued on the path they both have been forging: to bring the story of conscious evolution and a planetary mankind to more and more people. A chance for this aim appeared in 1983, when influential friends suggested to her to run for Vice President for the Democratic Party. Even though her nomination wasn’t successful, she was able to deliver a speech in front of political leaders and inspire them with her ideas of a Peace Room and an Office for the Future.

In the following years until today, Barbara has used her connections and growing network to inspire the planetary awakening that she inquired into her whole life in the meetings with thought leaders and visionaries and that was revealed to her in ever-deepening spiritual experiences. Her curiosity seems to override age. With almost 90 years old she is inspired and full of plans as ever. She says, “It’s because I have a very deep mission. I believe that everyone’s inner motivation to create, is the inner motivation of evolution itself, uniquely incarnate as you and me. And if you say 100 percent yes to that motivation, it becomes so very powerful inside you, that you become newer rather than older. The reason that you become newer is that the world is ever new.”

Her path from being a mother and house wife to a co-creating visionary in her own right let her to think deeply about the role of woman in an planetary awakening. She sees a whole new life cycle for women that she calls the “Regenopause”, that after 50 women can participate in the birth of a new consciousness, a new human. And with their wisdom of the process of birth and what it means to care for a new-born, they can be co-creators, with men, of our evolutionary future.

With conferences, Workshops and Online Courses, Barbara is tirelessly giving her message of conscious evolution to as many people as possible. “The new story of evolution is our story, is everybody’s story from the eye of the evolution. You as an evolving human are part of that story. You are created by that story and each cell of your body was created by that story. And that story has intention for higher consciousness and greater freedom. Therefore, you and the process are one.” And as part of this story of evolution each of us can find his or her purpose to become an agent of evolution.

In her long life, the question from her youth was her guiding impulse: “What is the meaning of all our new powers that is good?” In a way, her life conveys, that the new technological powers humanity is developing, need to be integrated with the development of the new powers of an evolutionary consciousness, to co-create a future based on the recognition of wholeness, oneness and co-creativity.