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Im Wechselspiel zwischen Tun und Hingabe – Eine Rezension des Buches »Heilung als schöpferischer Prozess« von Klaus-Dieter Platsch

von Talica Höpfner

Jedem Menschen wohne ein Heilungspotenzial inne, welches medizinische Behandlungen überhaupt erst wirksam macht und zu dem wir uns bewusst öffnen können, sodass feststeckende Energie erneut in harmonisch fließende Lebensvorgänge zurückfindet, heißt es in dem kürzlich erschienenen Buch von Dr. med. Klaus-Dieter Platsch. Darin kommt er mittels einer spirituellen Theorie über die Schöpfung zu seiner Auffassung von Heilung.

Klaus-Dieter Platsch hat bereits mehrere Bücher herausgegeben sowie eine zweijährige Ausbildung in heilender Medizin innerhalb eines integralen Entwicklungsweges und das Begleitstudium »Caring and Healing« ins Leben gerufen.

Zu Beginn des Buches teilt Klaus-Dieter Platsch mit uns die außergewöhnliche Geschichte einer krebskranken Frau indischer Herkunft. Nach einem langen Leidensweg erlebte sie während eines multiplen Organversagens eine Nahtoderfahrung, in der sich ihr Bewusstsein schier grenzenlos in einen Raum von Licht und Liebe ausweitete. Sie hatte sich in der Vollkommenheit ihres Seins und ihrer Fähigkeiten erkannt, losgelöst von ihren Überzeugungen – was ihrem Körper einen »Neustart« erlaubte. Ihre Selbstheilung vollzog sich innerhalb weniger Wochen.

Dem Autor ist es ein tiefes Anliegen, die verschiedenen Ebenen der Behandlung von Krankheiten miteinander zu vereinen – die physische, energetische, emotional-mentale sowie die transpersonale und seelische. Indem er die Stärken und Begrenzungen der einzelnen Behandlungsebenen aufzeigt, soll deutlich werden, wie wichtig eine passende individuelle Kombination aus Schulmedizin, alternativen Heilmethoden und regelmäßigen, wahrnehmungsverfeinernden Übungen ist.

Im ersten Teil des Buches spannt Klaus-Dieter Platsch mithilfe von Schaubildern einen großen Bogen vom Anbeginn des Schöpfungsprozesses aus dem zeitlos-ewigen Urgrund hin zur Manifestation der Welt, wie wir sie kennen. Er spricht von einem Meer an Möglichkeiten höchster schöpferischer Energie, welches sich hin zu dem Eine-Möglichkeit-Zustand unserer physischen Existenz innerhalb von Zeit und Raum manifestiert. Das energetische Feld des Menschen verfüge neben dem steten Kommen und Gehen von Atomen durch unseren Austausch mit der Umwelt über ein gewisses Maß an freier Energie. Durch einen gleichmäßigen freien (Lebens-)Atem und dem Gefühl tiefer Verbundenheit erhöhe sich dieses Maß an freier Energie, was die Struktur des Organismus höher schwingen und Lebensenergie fließen lässt.

Weiterführend beschreibt Klaus-Dieter Platsch unsere horizontale und vertikale Beziehung, unser liebendes Herz, unsere tiefe Seele, unsere blockierenden Erinnerungen, Identifikationen und untergründigen Ängste, die Kraft einer guten Verwurzelung sowie das Wesen der Zukunft. All dies unterfüttert und bebildert er mit Zitaten aus östlichen Weisheitslehren sowie von Lehrerinnen wie Byron Katie und Hans Peter Dürr, der Quantenphysik und wissenschaftlichen Erkenntnissen wie beispielsweise der brownschen Molekularbewegung sowie Erfahrungsberichten aus seiner langjährigen Praxis als Arzt und Erzählungen aus seinem Privatleben.

Sein Schreibstil grenzt meines Empfindens nach an Poesie, Formulierungen sowie einzelne Worte wiederholen sich wie Affirmationen durch das gesamte Buch hindurch, sodass sich deren Bedeutungen nach und nach offenbart und einprägt.

Zu den Kernelementen seines Ansatzes gehört unter anderem, die eigene momentane Befindlichkeit wahrzunehmen, mit den Symptomen zu sein und nicht mit dem blockierenden scheinbaren Wissen durch pathologische Befunde und prognostizierte Krankheitsverläufe. Ebenso kommt es darauf an, die Fähigkeit des Selbstvergessens wieder zu erlernen und in einen Zustand tiefen Eintauchens in die sich vollziehende Tätigkeit zu fallen, sodass man eins mit ihr wird. Um mit dem Lebensfluss zu fließen, ist es wichtig, Bedürfnisse von Wünschen zu unterscheiden und nicht an seinen Wünschen festzuhalten, sondern Dankbarkeit und Akzeptanz für den Ist-Zustand zu kultivieren.

Heilung bewegt sich in einem Wechselspiel zwischen Tun und Hingabe, heißt es immer wieder im Laufe des Buches. Einerseits geht es darum, sich Hilfe zu holen und optimale Gegebenheiten für eine mögliche Heilung zu schaffen. Andererseits beschreibt der Autor eine Haltung, in der man ohne Erwartung Heilung einlädt oder eine Bitte beziehungsweise Intention in die transpersonale Dimension gibt. Denn letztendlich kommt der Arzt zu dem Schluss, dass Heilung nicht vollzogen werden kann, sondern durch das Mysterium des Urgrundes geschieht, dessen wahrem Kern sich der Mensch aufgrund der Begrenzung der Wahrnehmung lediglich annähern kann. Klaus-Dieter Platsch plädiert für ein entschleunigtes Leben, in dem wir im Alltag die stillen Zwischenräume wahrnehmen und uns im Lauschen und Bezeugen üben.

Im letzten Abschnitt des Buches geht es um das Prinzip und die Wirkung des »Heilenden Feldes« in der Arzt-Patienten-Beziehung und in Gruppen. Seit einigen Jahren gibt es diesbezüglich ein globales Netzwerk an Menschen, welche alle zwei Wochen zur selben Zeit von unterschiedlichen Orten für bestimmte Personen im »Heilenden Feld« um Heilung bitten.

Insgesamt bleibt für mich auch durch die vielen zugänglichen Meditationsübungen ein hoffnungsvoller, positiv bestärkender Eindruck, der mir – ob präventiv, aufarbeitend und/oder behandelnd – Denk- und Handlungsimpulse gibt und eindringlich unsere grundlegende Fähigkeit zur eigenen Heilung bestärkt.