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Der majestätische Glanz des Gewöhnlichen – Ein Interview mit der Malerin Edith Vonnegut

Wir konnten die Ausgabe 31 von evolve mit den Arbeiten der US-amerikanischen Malerin Edith Vonnegut gestalten. Wir sprachen mit ihr darüber, welches Anliegen sie mit ihrer künstlerischen Arbeit verbindet.

evolve: Wie sind Sie zur Kunst gekommen?

Edith Vonnegut: Als ich fünf Jahre alt war, habe ich die ganze Zeit gezeichnet, also gaben mir meine Eltern ein Buch mit dem Titel: „Meisterwerke für junge Menschen”. So, wie andere Kinder in Kinderbücher eintauchten, tauchte ich in Gemälde von Botticelli und Raphael ein. Sie erzählten mir Geschichten und hinterließen einen gewaltigen Eindruck. Mein Vater kolorierte eine meiner Zeichnungen, rahmte sie und hängte sie im Wohnzimmer auf. Schon als Kind ermutigten mich meine Eltern, und so war schon immer klar für mich, dass ich Künstlerin werden würde.

Als Schülerin an der University High School in Iowa, an der mein Vater einen Workshop für Autoren hielt, konnte ich an einem Malkurs des College teilnehmen. Ich wurde also schon sehr früh stark gefördert. Dann besuchte ich vier verschiedene Kunstschulen – und verließ alle vier. Manchmal blieb ich nur für einige Wochen. Sie unterrichteten nicht das, was ich lernen wollte: die klassischen Techniken der Meister der Renaissance. An einem College brach ich ab, weil sie Terpentin nicht zuließen, ein anderes, weil sie mir sagten, ich sei zu engstirnig in meinen künstlerischen Ideen, solle freier werden und mit einem Besen arbeiten. Ein weiteres verließ ich, weil im Curriculum nichts über Ölmalerei zu finden war. Es gab in all diesen Institutionen – und in meinem Leben generell – keinen einzigen Mentor oder Lehrer, zu dem ich aufsehen konnte. Ich habe einen starken Willen, also unterrichtete ich mich selbst, ging ins Museum, kopierte Meisterwerke und lernte aus Büchern mit Titeln wie: „Die Techniken der größten Maler der Welt” und „Studieren mit den Meistern”, mit Originalzitaten von Meistern wie Rubens, der zum Beispiel schrieb: „Achte darauf, dass es in deinen Schatten kein Weiß gibt.” Wenn ich das las, fühlte ich mich wie im Himmel und glaubte, in diesen magischen Rezeptbüchern alles zu finden, was ich brauchte.


e: Was machte diese alten Meister und ihre Malweise so interessant für Sie?

EV: Ich weiß nicht, woher diese Begeisterung kam. Sie war einfach da und ist es immer noch. Ich kann ins Schwärmen geraten über die Pinselstriche eines Velasquez oder die Schönheit in den Linien einer Zeichnung von Da Vinci. Andere Menschen verehren Dinge wie athletische Fähigkeiten oder Musik. Meine Wertschätzung galt schon immer der Malerei, der Bildhauerei und dem Zeichnen. Die klassischen Meister haben diese Kunstformen in ihrer höchsten Vollendung beherrscht, sie sind also ein guter Orientierungspunkt, wenn man gut darin werden will. Es gibt auch heute wundervolle, gelungene Bilder, aber Tizian und Velasquez sind für mich die größten künstlerischen Genies. Ich weiß, dass ich ihre Meisterschaft nicht erreicht habe und nie erreichen werde. Aber manchmal, wenn ich ihre Bilder betrachte oder ihre Worte lese, bekomme ich eine winzige Ahnung davon, wie es sich anfühlt, so zu malen wie sie. Das ist mir genug.


e: Inspiriert Sie die Schönheit oder die Atmosphäre, die diese Maler entstehen lassen?


EV: Ja, die Schönheit, die Atmosphäre und die Botschaft. Die Bilder Michelangelos in der Sixtinischen Kapelle zum Beispiel sollten den Menschen etwas geben, an das sie glauben und für das sie leben konnten. Ich habe gespürt, dass die Botschaft in den Allegorien und Bildern damals wichtig war und dass es noch immer wichtig ist, den Menschen durch diese Art Bilder Zuspruch zu geben. Ich möchte den Menschen Mut, Hoffnung und Freundlichkeit vermitteln. Deshalb versuche ich, neue Allegorien zu schaffen, auf die sich die Menschen beziehen können. Ich glaube, dass Bilder die Macht haben, auf den menschlichen Geist einzuwirken. Wenn auf meinen Bildern Frauen mit anscheinend übermenschlichen Heldentaten ihre Kinder beschützen, möchte ich der Betrachterin ein Gefühl von Trost und Bedeutung geben. Dazu gehört für mich auch, alltägliche Aufgaben mit Schönheit und Respekt auszuführen. Ich bin in keiner Weise religiös, aber ich betrachte diese Bilder als eine Art Gebet.

e: Sie gehen also Ihren eigenen Weg, außerhalb der Diskussionen über moderne Kunst, in der diese Art von Allegorien als viel zu wörtlich, zu konkret gelten. Für Sie ist es wichtig, durch die Kunst und die Verwendung dieser Methoden Ausdruckswege für eine spezielle Bedeutung oder Botschaft zu finden.


EV: Ja, und ich bekomme genug positives Feedback, um weiterzumachen. Während der Pandemie letztes Jahr habe ich eine Portraitserie von Arbeiterinnen und Arbeitern gemacht, die für Mindestlohn arbeiten. Als ich ihnen die Portraits zeigte, waren sie dankbar dafür, dass jemand sie überhaupt gesehen hatte, geschweige denn gemalt hatte. Ihre Reaktionen bedeuteten mir sehr viel.

Diese Art Bilder zu malen, hält mich in Schwung. Dann habe ich das Gefühl, einem wichtigen Anliegen zu dienen. Mein Vater war dann am stolzesten auf mich, wenn ich in unserer kleinen Stadt die Wände in den Unterführungen bemalte oder mich bei Stadtversammlungen mit Stadtplanern stritt, die natürliche Lebensräume zerstören wollten. Mir geht es nicht um Geld oder Ruhm, sondern ich möchte etwas schaffen, das dem Planeten hilft.


e: Wie entstehen die Idee und das Thema, mit denen Sie arbeiten wollen?


EV: Meist aus den aktuellen Nachrichten. Zur Zeit arbeite ich an zwei neuen Bildern. Es macht mich wütend, dass der Monarch-Schmetterling wegen des Einsatzes von Pestiziden und der Zerstörung seines Lebensraumes vom Aussterben bedroht ist. Diese Art von Nachrichten machen mich traurig und inspirieren mich. Ich male eine Frau, der Tränen über die Wangen rinnen, während hinter ihr ein Mann in einem Feld Pestizide versprüht. Für die Tränen bezog ich mich auf das Bild „Die reuige Magdalena” von Tizian, auf dem die schönsten Tränen zu sehen sind, die jemals gemalt wurden. Es hat mich einen ganzen Tag gekostet, eine einigermaßen schöne Träne zu malen.

Das andere Bild hat zum Thema, dass viele Meeresbewohner sterben, indem sie sich in ungeheuren Mengen von zurückgelassenen Fischernetzen verheddern. Das hat mich inspiriert, eine Meerjungfrau zu malen, die sich in eine treibende Fischerleine verstrickt hat. Im Juni habe ich eine Ausstellung in Provincetown und eine weitere in Indianapolis im September. Das Thema sind die zerstörerischen Auswirkungen des Menschen auf den Planeten. Es gibt dafür tatsächlich bereits ein neues Wort „Anthropozän”, was bedeutet, dass zum ersten Mal in der Geschichte der Erde die Menschen den Planeten verändern, und nicht zum Guten. Ich versuche, Schönheit, Humor und Katastrophe miteinander zu verbinden. Zum Beispiel möchte ich wie Botticelli malen, aber anstelle von Blüten lege ich der Venus einen Haufen Plastikflaschen und Müll zu Füßen.


e: Viele Ihrer Arbeiten haben eine mythische Stimmung. Warum verwenden Sie diese mythischen oder mythologischen Bilder, wie die Meerjungfrau oder Engel?


EV: In der Kunst gab es schon immer geflügelte Wesen. Heute wirken Bilder von ihnen oft wie schlechte Glückwunschkarten, kitschig und unangenehm sentimental. Aber meine erste Liebe galt nun einmal Raphael, Botticelli und Da Vinci. Wenn sie damals dachten, es sei richtig, Engel zu malen, warum sollte ich das dann im 21. Jahrhundert nicht tun? Deshalb verwende ich diese mythischen Bilder. Es gibt viele Menschen, die glauben, dass es Engel gibt und auch ich glaube das manchmal. Es ist sehr wahrscheinlich, dass es Bereiche gibt, die wir nicht sehen können.

e: Sie malen auch viele Frauen auf die unterschiedlichste Art. Weshalb gerade Frauen?


EV: Zuerst einmal, weil ich eine Frau bin, und damit ist es die Erfahrung, die ich kenne. Ich möchte zudem unseren Blick auf die Frau verändern. Die falsche Darstellung beginnt bereits bei Adam und Eva. Ich habe dazu ein Bild gemalt, unter dem steht: „Eva. Das erste Opfer von Fake News. Angeklagt wegen des Untergangs des Garten Eden. Wo sie doch in Wahrheit Erkenntnis erlangen wollte, wofür wir ihr dankbar sein sollten.”

Auf den Bildern von Rubens, Raphael oder Velasquez sind nackte Frauen zu sehen, die meistens herumliegen und nichts tun. Sie haben keine Kraft, keine Muskeln und keine erkennbare Intelligenz. Sie sind schön, aber das entspricht nicht der Realität von Frauen, besonders nicht der von Müttern. Ich habe zwei Kinder großgezogen und Mutterschaft ist damit vergleichbar, bei den US-Marines zu sein. Du musst immer wachsam sein und bereit, in jedem Moment mit klarem Kopf und Nerven aus Stahl zu handeln. Ich male von einem weiblichen Standpunkt aus und versuche, mit falschen Darstellungen des Weiblichen aufzuräumen.

e: Sie möchten Frauen aktiver, proaktiver, kreativer darstellen …

EV: Unbedingt. Das Bild von Napoleon, wie er auf dem Pferd über die Alpen reitet, ist ja total erfunden. In Wirklichkeit ritt er im Damensattel, weil er Hämorrhoiden hatte. Aber auf dem Gemälde sieht er auf dem Pferd aus wie ein hochgewachsener Kevin Costner. Also dachte ich mir, wenn er sich so malen lassen kann, kann ich auch Frauen malen, die unmögliche, idealisierte Dinge tun, wie zum Beispiel rasende Kriegsgeschosse aufhalten oder ihre Kinder mit einem Gartenschlauch vor Tigern schützen. Die Renaissance gab mir die Erlaubnis dazu.

e: Und mit dieser Art der Übertreibung und der Darstellung von Müttern, die Unmögliches tun, wollen Sie aufzeigen, was es bedeutet, eine Mutter zu sein oder für jemanden zu sorgen?

EV: Ja. Eine Allegorie enthält meistens eine Botschaft. Ich möchte, dass die Frauen Kraft aus den Bildern schöpfen. Und ich brauchte es auch für mich, denn ich hatte New York in dem Glauben verlassen, ich hätte versagt. Nach New York City kommt man eigentlich, um sich auf die eine oder andere Art Anerkennung zu verschaffen. Aber ich heiratete einen Schreiner, zog nach Cape Cod und bekam Kinder. Dabei haben Künstlerinnen doch normalerweise keine Kinder, also hatte ich das Gefühl, mein Leben als Künstlerin sei vorbei. Erst als ich mich zuhause wiederfand, den Boden wischte und schwanger war, verstand ich, was meine Mutter getan hatte – und was alle Mütter tun. Das begriff ich erst so richtig, als ich selbst Kinder hatte. In der Verherrlichung dieses alltäglichen, einfachen Lebens mit wenig bis gar keiner Anerkennung fand ich also meine künstlerischen Impulse. Ich dachte, ich hätte mich selbst verloren, aber es stellte sich heraus, dass ich mich selbst gefunden hatte.

e: Ich habe auf Ihrer Website gelesen, dass Sie denen Wertschätzung geben wollen, denen sie oft versagt bleibt, dass Sie dem Alltäglichen Erhabenheit verleihen möchten. Können Sie sagen, was Sie damit meinen?

EV: Gewöhnliche Menschen erhalten keine Oscars oder Nobelpreise dafür, dass sie die Wäsche waschen, ihre Kinder aufziehen und all die anderen Alltagsaufgaben erledigen. Als ich mich selbst als Vollzeit-Hausfrau und -Mutter wiederfand, konnte ich das nachvollziehen und beschloss, ihnen etwas Ruhm und Bedeutung zu verleihen. Marie Antoinette und Napoleon konnten Künstler dafür bezahlen, sie selbst auf Gemälden fabelhaft aussehen zu lassen. Gewöhnlichen Menschen bleibt dieser Weg verschlossen. Die unverzichtbaren Arbeitskräfte, die oft nicht einmal einen Mindestlohn erhalten, werden ihr Geld nicht dafür ausgeben, jemanden damit zu beauftragen, sie märchenhaft darzustellen. Aber warum sollte man sie nicht für ihre undankbare, unterbezahlte Arbeit, die sie mitten in einer Pandemie verrichten, ehren, indem man sie wunderbar aussehen lässt?

e: Wenn Sie diese arbeitenden Menschen malen, malen Sie sie im altmeisterlichen Stil, an ihrem Arbeitsplatz und mit Dingen, die für ihre Tätigkeit wichtig sind oder die zu ihrem Einfluss- oder Arbeitsbereich gehören. Sie verleihen ihnen dadurch eine gewisse Wichtigkeit und Bedeutung.


EV: Mein erstes Portrait einer dieser unverzichtbaren Arbeitskräfte aus dem Alltag entstand bei McDonald’s. Ursprünglich hatte ich die Idee, dort eine Mitarbeiterin zu fotografieren und ihren Kopf durch den Kopf von Ivanka Trump auszutauschen, also das Privilegierte und das genaue Gegenteil des Privilegierten zusammenzubringen. Ich dachte, ein Bild von Ivanka Trump in einer McDonald’s-Uniform wäre ein gutes Statement. Also ging ich zu McDonald’s und fragte diese hübsche, zierliche Frau, ob ich sie fotografieren dürfe. Sie war so nett, dass ich dachte: „Moment mal, ich werde ihr nicht einfach den Kopf abschneiden und Ivankas Kopf aufsetzen! Ich werde stattdessen diese Frau malen.“ Und obwohl sie nicht wusste, ob ich überhaupt gut malen kann, posierte sie sehr vertrauensvoll und gut gelaunt für dieses Portait. Sie hatte diesen miesen Job bei McDonald’s und erschien trotzdem so würdevoll, sanft und offen. Aufgrund dieser Erfahrung begann ich mich dann für weitere Menschen zu interessieren, die für unseren Alltag unverzichtbar sind. Und so machte ich mich auf die Suche nach Schönheit in den örtlichen Supermärkten und Fast-Food-Restaurants – und fand sie immer wieder, obwohl diese schlecht bezahlten Lohnarbeiterinnen und Lohnarbeiter wirklich keinen Grund haben, freundlich zu sein. Ich besuchte Dunkin’ Donuts, Burger King, Home Depot und vergleichbare Orte. Wenn ich die Menschen dort fragte, ob ich ein Foto von ihnen machen darf, sagten sie meistens ja. Wenn ich fertig war, zeigte ich ihnen das Bild.


e: Es ist bewegend, wie Sie versuchen, die Schönheit in alltäglichen Dingen zu zeigen.


EV: Und in Zeiten der Pandemie riskieren diese Menschen, die die unverzichtbaren Aufgaben des Alltags erledigen, ihr Leben. Die Leute stürmen ohne Masken in die Geschäfte und machen ihnen das Leben schwer. Diese hart arbeitenden Menschen werden im Grunde gar nicht wahrgenommen, niemand schaut ihnen in die Augen. Wenn ich mit einem Foto in mein Studio zurückkomme und anfange, diese Menschen zu malen, ihren Knochenbau, die Farbe ihrer Haut und die Würde in ihren Augen studiere, denke ich oft: `Besser geht es nicht.´ Als ich diese normalen Alltagsmenschen mit würdevollen Portraits bedachte, als wären sie königlich, wurden sie für mich königlich.

e: Haben Sie den Eindruck, dass sich die Art, wie Sie malen, im Laufe der Zeit weiterentwickelt hat?


EV: Ich glaube, ich verbessere mich. Aber ich war nie zufrieden mit mir, weil das, wonach ich eigentlich strebe, so weit jenseits meiner Fähigkeiten liegt, dass es ein bisschen aussichtslos ist. Ich bin nicht diszipliniert genug oder klug genug, um das Niveau der Alten Meister zu erreichen. Wenn ich ein Auto wäre, hätte ich eine sehr unberechenbare Lenkung und überhaupt keine Bremsen. Jetzt, im Alter von 71 Jahren, habe ich dennoch das Gefühl, dass ich tatsächlich weiterkomme, auch wenn ich Arthritis in den Händen habe und mehr Zeit brauche, um ein Bild zu malen.


e: Auf Ihrer Website schreiben Sie, dass Sie sich eher für eine Illustratorin als für eine Malerin halten. Was meinen Sie damit?


EV: Ich erzähle Geschichten, wie mein Vater. Und ich liebe die Illustratorin Beatrix Potter. Für mich steht sie gleich neben Tizian, weil sie eine Maus im Anzug, die eine Angelrute hält, realistisch zeichnen konnte. Sie war in der Lage, solche Bilder aus dem Nichts zu erschaffen. Mir gefällt auch, dass sie an einem ruhigen Ort in der Seenregion in England lebte und die Illustration nach einer Weile aufgab, um Schafe zu züchten. Die gleiche Bewunderung empfinde ich auch für den Zeichner John Tenniel, den Illustrator von „Alice im Wunderland“.  Ich bewundere seine Fähigkeit, alternative Realitäten zu erschaffen, so wie Michelangelo es mit Gott in der Muschel getan hat. Die Sixtinische Kapelle ist eine einzige großartige Illustration.


e: Sie haben in Ihren Bildern viele Umwelt- und Gesellschaftsthemen aufgegriffen. Möchten Sie mit diesem eher illustrativen Ansatz bestimmte Botschaften, Gedanken oder Gefühle in einem Bild transportieren?


EV: Ja, ich würde meine Arbeiten lieber auf einer Plakatwand am Rande der Autobahn sehen als in einem Museum. Aus Protest gegen militärische Sturmgewehre habe ich ein Gemälde geschaffen, das eine Mutter mit ihrem Baby zeigt. Und ich marschiere seit 2001 bei Waffenkontrollkundgebungen mit. Vielleicht hätte es eine größere Wirkung, solche Bilder auf einer Plakatwand zu sehen. Wenn „Aktivisten“ Menschen sind, die sich um die Zukunft sorgen und versuchen, für eine bessere Welt einzutreten, dann bin ich eine Aktivistin. Ich habe keine andere Möglichkeit, als Bilder über die Ausbeutung des Planeten zu malen.

e: Wir haben bereits über die Engel gesprochen … Würden Sie sagen, es gibt so etwas wie spirituelle Wurzeln für das, was Sie tun?

EV: Ich wurde agnostisch erzogen. Ich musste in der ersten Klasse lernen, wie man dieses Wort buchstabiert. Aber ich weiß, dass es mehr gibt, als wir denken. Ich erlebe viele merkwürdige Dinge, die mehr als nur Zufall sind. Ich bin mir also sicher, dass etwas dahintersteckt, aber kein Mensch wird mir sagen können, was es ist. Ein Freund sagte einmal, dass ich die Engel schon so lange hier auf Erden vertrete, dass sie mir etwas schulden …


e: Wie war es für Sie, Ihren eigenen Weg zu finden – mit so einem berühmten Vater, dem Autor Kurt Vonnegut?


EV: Ich glaube, das hat es ein bisschen schwieriger gemacht, weil er so einen enormen Schatten geworfen hat. Wenn man auf mich schaut, sieht man immer gleichzeitig meinen Vater. Gleichzeitig bin ich wahnsinnig stolz, seine Tochter zu sein.