Das Ende der Postmoderne

Wie gelingt der Schritt in eine neue Zeit?

Die Postmoderne hat die Kultur in den letzten 50 Jahren tief greifend verändert. Aber was ist aus dem revolutionären Geist dieser Aufbruchszeit geworden? Welchen Aufbruch brauchen wir heute – und was braucht er von uns?

Thomas Steininger

In einem sind sich alle einig. Wir leben in einer Zeit des Umbruchs und eine Epoche geht zu Ende. Aber wir erleben keinen Aufbruch. Im Gegenteil, viele sind beunruhigt von dem, was die Zukunft vielleicht bringt. Unser Zeitgefühl, das wir gerade durchleben, ist so anders als zum Beispiel jenes der 90er Jahre, als es für viele noch den Anschein hatte, dass die Zukunft, trotz aller politischen Herausforderungen weit und offen vor uns liegt. Können wir heute in dieser verunsichernden Zeit ein Tor zu einer gemeinsamen Zukunft aufstoßen, durch das wir auch gerne gehen?

In Zeiten der Verunsicherung, in denen die Nachrichten und die Ereignisse oft übermächtig über uns hereinbrechen, ist es vielleicht eine gute Idee, sich auch einmal vom Strom der Tagesnachrichten zu lösen. Wenn wir einige Schritte zurückzutreten und uns auf ein größeres Bild einlassen als jenes, mit dem uns die Medien, auch die sozialen Medien tagtäglich konfrontieren. Ich meine einen historischen, einen geschichtlichen Blick auf die Gegenwart. In welcher Zeit leben wir? Woraus ist sie entstanden? Und wo will sie hin? Ich möchte mit diesem Artikel diesen Fragen nachgehen.

Dabei geht es nicht darum, »die wahre Perspektive« auf die Postmoderne zu finden. Das evolve-Magazin erhebt nicht den Anspruch auf letzte Wahrheiten. Unser Anspruch ist bescheidener, vielleicht ist er aber auch ambitionierter. Wir wollen aus unserer Perspektive fruchtbare Dialoge anstoßen. Denn aus unserer Sicht ist selbst Wahrheit ein dialogischer Prozess.

Aber kein Dialog geschieht in einem luftleeren Raum. Auch Zeitschriftenarbeit ist Beziehungsarbeit. Wir machen diese Zeitschrift vor allem für eine bestimmte Gruppe von Menschen. Manche bezeichnen diese Gruppe als die Kultur-Kreativen, manche sprechen von einem evolutionär-integralen Milieu. Wir sprechen öfter auch von Menschen, die an einer aufgeklärten, engagierten und progressiven Spiritualität interessiert sind. Die meisten unserer Leserinnen und Leser haben einen oder mehrere dieser Hintergründe. Uns verbindet ein gemeinsames Interesse an innerer Bewusstseinsarbeit und äußerer gesellschaftlicher Veränderung.
Aus dieser Perspektive wollen wir gerne mit Ihnen den Dialog über unsere postmoderne Gegenwart aufnehmen, eine Zeit, in der wir gemeinsam leben und die sich vielleicht gerade ihrem Ende zuneigt.

Die letzten 70 Jahre

Wenn wir noch vor der Postmoderne beginnen, in den 50er und 60er Jahren, blicken wir auf eine Welt, die uns aus heutiger Sicht schon sehr fremd erscheint. Vor allem der Zukunftsglaube der damaligen Zeit, das ungebrochene Vertrauen auf die Technik und die Wissenschaft, erscheint uns heute fremd und naiv. Aber es war auch eine Zeit großer kultureller Starre. Die großen Katastrophen des 20. Jahrhunderts waren gerade erst überwunden und der Schock über das, was geschehen war, saß tief. Gerade in Deutschland waren viele Fragen nach der jüngsten Vergangenheit tabu. Aber auch in den anderen westlichen Ländern war man froh, endlich einen Status quo erreicht zu haben, der Normalität versprach. Experimente waren nicht erwünscht. Es war dieses, in gewissem Sinne auch ängstliche Klima, das die Voraussetzungen für eine ganz neue Epoche schuf, für eine kulturelle Explosion. Die Explosion von 1968.

1968 wurde zum Ausdruck für die Aufbruchsbewegung der späten 60er und frühen 70er Jahre. In dieser Zeit entschied sich eine neue, unbelastete Generation, die Enge und Fantasielosigkeit der Nachkriegszeit nicht mehr zu ertragen. Die Geburt der Postmoderne war eine Explosion der »Kulturellen Befreiung«. Die Slogans der Zeit waren »Fantasie an die Macht!«, »Mut zur Utopie!« und »Trau’ keinem über 30!« Woodstock und der Protest gegen den Vietnamkrieg wurden zu den Symbolen dieser Zeit.
Diese Revolution kam aber bald ins Stocken …

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Lesen Sie den kompletten Text in der evolve Ausgabe 17 / 2018


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