Nicanor Perlas – Wer Mut sät, wird eine neue Welt ernten!


Posted on Mai 19th, by mike.kauschke in Blog. No Comments

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Nicanor Perlas

Nicanor Perlas – Wer Mut sät, wird eine neue Welt ernten!

Nicanor Perlas, geboren 1950 in Manila (Philippinen) ist Agrarwissenschaftler, Soziologe, Autor und weltweit bekannter Aktivist. Für sein Engagement für die Stärkung der Zivilgesellschaft gegen die elitäre Globalisierung und für den Einsatz von Alternativen bekam er 2003 den Right Livelihood Award (Alternativer Nobelpreis). 2010 war er auf den Philippinen Präsidentschaftskandidat. Er hat immer wieder erlebt, dass scheinbar Unmögliches wahr werden kann und sich unser Einsatz für eine bessere Welt lohnt.

Nicanor Perlas ist von 28. Mai bis 5. Juni 2016 für eine Veranstaltungsserie in München. Informationen und Tickets: http://creative-engagement.de

In evolve 07 haben wir mit Nicanor Perlas über seine Sicht sozialer Transformation gesprochen:

evolve: Was ist soziale Transformation?

Nicanor Perlas: Ich verwende lieber den Ausdruck „gesellschaftliche Transformation“. Gesellschaftliche Transformation beinhaltet die Neuorientierung und Neuausrichtung der Grundannahmen und Werte in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft in Richtung einer integralen nachhaltigen Entwicklung, kurz ISD (Integral Sustainable Development). Die Gesellschaft ist komplex und die Herausforderungen sind systemisch und vielfältig. Ein integraler Ansatz ist absolut zentral für jede Gesellschaft, die sich sinnvoll entwickeln will.

In unserem Zusammenhang hat ISD sieben Dimensionen. Die ersten drei sind die kulturelle, wirtschaftliche und politische Dimension der Gesellschaft. Sie haben zwar jede ihre eigenen Qualitäten und Abläufe, doch interagieren diese drei Dimensionen auf komplexe, emergente Art und Weise. Armut beispielsweise kann man nicht nur unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten betrachten. Sie hängt auch mit den politischen Gegebenheiten eines Landes und den vorherrschenden Mentalitäten sämtlicher Gesellschaftsebenen zusammen. Die Wirklichkeit, die sich daraus ergibt, ist die vierte, die gesellschaftliche Dimension von ISD.

Jede Gesellschaft, ohne Ausnahme, existiert nur aufgrund der gewaltigen ökologischen Ressourcen, die die Natur der menschlichen Gesellschaft zur Verfügung stellt. Ein integraler Zugang zur nachhaltigen Entwicklung muss also ökologische Verantwortung beinhalten. Die fünfte Dimension ist daher die ökologische.

Die sechste Dimension ist die menschliche. Sie muss sicherstellen, dass der angemessene gesellschaftliche Kontext geschaffen wird, der die Entwicklung wahrhaft freier, informierter, fähiger und verantwortlicher Menschen fördert, die danach streben, ihr höchstes menschliches Potenzial zu verwirklichen.

Die siebte Dimension ist die spirituelle. Durch die Wissenschaft lernen die Menschen die evolutionären Prozesse in Natur und Universum immer besser kennen und dabei tritt die spirituelle Dimension – in den außerordentlichen Entdeckungen der Neurowissenschaften, der Epigenetik, der Astrophysik und der aktuellen Forschung in weiteren Grenzgebieten – immer klarer zutage.

e: Woran arbeiten Sie zurzeit?

NP: Wir versuchen zu zeigen, dass es möglich ist, ISD auf der Ebene einer ganzen Stadt umzusetzen. Wir arbeiten in einer der ärmsten Städte in der Provinz Iloilo auf einer der zentralen Inseln der Philippinen. Wir versuchen, dabei zu helfen, die Stadt von einem auf den Staat zentrierten zu einem gesellschaftsorientierten Entwicklungsansatz zu bringen. Konventionelle Verwaltung ist auf den Staat zentriert, folgt den Notwendigkeiten und politischen Imperativen und gestaltet die Wirtschaft so, dass sie den Interessen der Mächtigen dient. Eine auf den Staat zentrierte Verwaltung schließt daher oft die große Mehrheit der Bevölkerung aus. Im Gegensatz dazu berücksichtigt ein gesellschaftsorientierter Ansatz, den wir als strategische dreigegliederte Partnerschaft bezeichnen, dass die drei zentralen Sphären oder Dimensionen der Gesellschaft jeweils eine unterschiedliche innere Logik und auch unterschiedliche Möglichkeiten haben. Die Währung der Politik beispielsweise ist Macht, die Währung der Wirtschaft ist Geld und kontextualisierende Vorstellungen sind die Währung der Kultur. Bei diesem Ansatz verbinden wir die unterschiedlichen Ressourcen, Talente, Netzwerke und Werte der Stadtverwaltung (in der Politik), der Firmen (in der Wirtschaft) und der Zivilgesellschaft (in der Kultur) um „lösungsorientierte Ökosysteme“ zu schaffen.

e: Wie sind Ihre Erfahrungen? Was funktioniert, was nicht?

NP: Der Schlüssel bei der Herausbildung eines lösungsorientierten Ökosystems ist gegenseitiges Vertrauen unter den gesellschaftlichen Hauptakteuren. Strategiekonferenzen aller Art sind immens wichtig, um das Vertrauen zu entwickeln, damit sich die strategischen dreigegliederten Partnerschaften bilden können. Zu diesem Prozess gehört eine partizipatorische Verwaltung, die sicherstellt, dass alle wichtigen gesellschaftlichen Segmente eingebunden sind.

e: Wie verhält sich die persönliche Entwicklung der Akteure zu den systemischen Herausforderungen?

NP: Die innere Haltung der Einzelnen ist absolut wesentlich, damit solch eine Initiative möglich wird. Es braucht die innere Kraft, um mögliche Zweifel als Gelegenheit zu evolutionärem Lernen zu verstehen und so aus einer Herausforderung die Geburtsstunde einer innovativen Lösung zu machen. Transformatorische Entwicklung bedeutet notwendigerweise einen tiefen Wandel nicht nur der geistigen Mentalität, sondern auch des Bewusstseins und der Motivationen. Wie dies in einer Situation gelingen kann, in der viele unterschiedliche Bewusstseinsstufen gegenwärtig und wirksam sind, ist eine der zentralen Herausforderungen für jeden strategischen Versuch, integrale nachhaltige Entwicklung umzusetzen.

e: Sie arbeiten auch viel mit jüngeren Menschen zusammen. Was empfehlen Sie der nachkommenden Generation?

NP: An der nachkommenden Generation begeistert mich, dass sie ein sehr tief gehendes Verständnis für die Notwendigkeit mitbringt, systemische und integrale Transformation auf der Basis eines profunden inneren Wandels umzusetzen. Die nachkommende Generation versteht dies jedoch erst in sehr allgemeiner Weise. Ich würde vorschlagen, dass junge Menschen diese Lebensorientierung verfeinern, damit das  Potenzial, das sie in die Welt bringen, systematisch aktiviert werden kann. Sie könnten beispielsweise Trainings und Fortbildungen absolvieren, Initiativen ergreifen, Ausbildungen machen oder all diese unterschiedlichen Ansätze kombinieren. Aber das wirklich Neue und Evolutionäre daran ist, dass die kommende Generation all das auf einer tiefen Suche nach innerem Wandel und einer ernsthaften Meditations- und Kontemplationspraxis gründet. Einstein wird oft zitiert mit seinem Ausspruch, dass ein Problem nicht mit demselben Bewusstsein gelöst werden kann, das ebendieses Problem hervorgebracht hat. Aber oft versteht man die vielen verschiedenen Stufen des menschlichen Bewusstseins gar nicht, die nötig sind, um Einsteins Einsicht in die Praxis umzusetzen. Ein Problem beispielsweise, das aus Egoismus entsteht, kann nicht mit einem egoistischen Bewusstsein gelöst werden. Man muss die größere Tragweite eines altruistischen, nondualen Bewusstseins erleben, und zwar nicht in der Theorie, sondern in der Erfahrung. Genauso schwierig ist es dann, den neuen Bewusstseinszustand durch konstante Praxis zu stabilisieren und einen Lebensstil zu entwickeln, der die Stabilisierung dieses neuen Bewusstseinszustands fördert. Dann kann man sich auf diesen neuen Bewusstseinszustand verlassen und ihn nutzbar machen, um die großen existenziellen Herausforderungen, vor denen die Menschheit heute steht, auf kreative Weise anzugehen.

Nicanor Perlas ist von 28. Mai bis 5. Juni 2016 für eine Veranstaltungsserie in München. Informationen und Tickets: http://creative-engagement.de

Programm

Courage Workshop (in englischer Sprache mit Flüsterübersetzung)

Wir sorgen uns um unsere Zukunft, um das Schicksal der Menschheit und die Entwicklung unseres Planeten. Aber viele von uns fühlen uns zu klein und unbedeutend, um etwas gegen die riesigen Probleme zu tun, die unsere Welt überwältigen.

Dieser Workshop ist eine erprobte und kraftvolle Zusammenführung von Naturwissenschaften, Spiritualität, Sozialwissenschaften, Psychologie und anderen Disziplinen – alle im Dienst der tiefgreifenden inneren und äußeren Transformation.

Ziel des Workshops ist es, das schöpferische „imaginal“, das Unendliche in uns, unser wahres Selbst zu erwecken – unser immenses und unerschütterliches Streben nach Wahrheit, unsere Begeisterung, Mitgefühl, Mut, Güte, unsere Verwandlung und Initiative. Außerdem geht es darum, das Bewusstsein für Netzwerke zu schärfen, die dadurch entstehen, dass kreative Menschen (imaginals) bewusst miteinander solche Wege nach innen und im Außen handelnd gehen.

Sa/So 28./29.5. jeweils 10:00 bis 18:00 Uhr (mit Pausen)

Ort: Leopoldstr. 46a (in den Räumen der Anthroposophischen Gesellschaft)

Anmeldung erforderlich

 

Initiativentreffen: Die globale Bedeutung lokaler Initiativen (mit Flüsterübersetzung)

Zu dieser Veranstaltung sind alle eingeladen, die nicht darauf warten, dass die Veränderungen, die die Welt so dringend braucht, von „oben“ kommen, sondern die selbst initiativ und aktiv sind, unser Leben schöner, nachhaltiger und menschlicher zu gestalten!

Mo 30.5. ab 17 Uhr Ankommen & Schnippelparty, ab ca. 18 Uhr gemeinsames Essen

Ort: IMAL im Kreativquartier (Halle 10), Schwere-Reiter-Straße 2

Kooperationspartner: BenE München e.V.

Außerdem beteiligt: Münchner Machbarn

 

Vortrag: Die technische Singularität und die Zukunft der Menschheit (Englisch mit deutscher Übersetzung)

Nicanor Perlas bezeichnet die technologische Singularität, also die Verschmelzung verschiedener Technologien, darunter die Nano- die Infomations-, die Gentechnologie und die künstliche Intelligenz, als die mittelfristig größte Herausforderung der Menschheit überhaupt. Denn im Anbetracht der Schaffung von Cyborgs (Mensch-Maschinen-Verschmelzungen) und wenn die künstliche Intelligenz die menschliche übersteigt, geht es um nicht weniger als den Fortbestand der menschlichen Spezies.

Doch diese Herausforderung wird bisher von der Öffentlichkeit und der Zivilgesellschaft nur wenig wahrgenommen, und sie fordert eine ganz neue Herangehensweise, die den Materialismus, der diese Entwicklung hervorgebracht hat, überwindet. Die Frage „Was ist der Mensch?“ wandelt sich von einer intellektuellen zu einer existentiellen Frage.

Mi 1.6., 19:00 Uhr

Ort: Große Aula der Ludwig-Maximilians-Universität München (E 120), Geschwister-Scholl-Platz 1

Kooperationspartner: Projekt GenE (Gestaltungskompetenzen für eine nachhaltige Entwicklung des BenE München e.V)

 

Werkstattgespräch: Die Zukunft neu denken -­ Systemische Lösungen für ökologische Herausforderungen (Englisch)

In diesem Vortrag geht es um die Wissenschaft und die Kunst von Systemen, die alle verschiedenen Aspekte des menschlichen Lebens umfassen, und die den Problemen der Welt wirklich etwas entgegensetzen können (Ökosystem-Lösungen). Es geht um konkrete Beispiele solcher Gemeinschaften und darum, den Mut zu finden selbst ein Teil der Lösung zu werden.

Do 2.6., 10:00 Uhr

Ort: orange bar, Zirkus-Krone-Str. 10 (6. OG)

Veranstalter: Global Challenges Network e.V.

Anmeldung erbeten

 

Vortrag: Die spirituellen Forderungen unserer Zeit (Englisch mit deutscher Übersetzung)

Die aktuellen Probleme und Krisen auf der Welt sind hinlänglich bekannt. Nur langsam tritt die wohl größte Herausforderungen ins öffentliche Bewusstsein: die Gefahr der Mechanisierung der Natur, des Menschen und der Gesellschaft durch die Verschmelzung von künstlicher Intelligenz, mit Nano-, Gen- und Informationstechnologie, so dass wir vor der Grundfrage stehen: Wer sind wir als menschliche Wesen?

Ein erstaunliches, kosmisches Drama findet durch uns und den Planeten statt, für das wir als Menschen aufwachen müssen. Denn eine echte nachhaltige Gesellschaft kann es nur geben, wenn wir den Weg des inneren Wandels und der Selbsttransformation gehen. Es ist die Beziehung zu unserem höheren Selbst, das Bewusstsein unseres göttlichen Ursprunges, das uns die Kraft gibt, den Abgrund zum Anderen und zur Welt zu überbrücken und echtes Vertrauen zu entwickeln. Nur so können wir sinnvoll in lokalen Dimensionen und im globalen Bewusstsein an der gesellschaftlichen Transformation mitwirken, die sich wirklich in die Zukunft bewegen kann.

Fr 3.6., 19:00 Uhr

Ort: Theater Leo17, Leopoldstr. 17

Kooperationspartner: Anthroposophische Gesellschaft – Arbeitszentrum München

 

Biography Workshop (in englischer Sprache mit Flüsterübersetzung)

Es gibt einen Weg, uns unseres Zwecks bewusster zu werden, unseren höchsten Möglichkeiten sehr nahe zu kommen und sie zu erreichen. Das ist es, worum es in diesem Workshop geht.

Durch methodisch geführte Reflexionen auf unser Leben können wir unser tiefstes Streben in uns erwecken. Die Entdeckung der tiefen Muster in unserem Leben hilft uns die tiefsten Intentionen zu erwecken, die wir in uns tragen. Der Lebensweg, mit all seinem Leiden und seinen Errungenschaften hat sich durch die Zeit entfaltet und enthält den Schlüssel zum Verständnis unserer Vergangenheit und bietet ein wichtiges Fundament um die eigene Lebensaufgabe zu erkennen. Wenn wir das erkennen, erschließen sich unglaubliche neue Horizonte des Lebens, die von ungeheurem Nutzen sein werden für uns selbst, und auch für andere und für die Welt.

Sa/So 4./5.6. jeweils 10:00 bis 18:00 Uhr (mit Pausen)

Ort: Leopoldstr. 46a (in den Räumen der Anthroposophischen Gesellschaft)

Anmeldung erforderlich

 





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